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JUMPING BLACK GOLEM – Der kenianische Gesamtkunstwerker KABEAUSHÉ lässt das UT Connewitz beben (2026)
Read more: JUMPING BLACK GOLEM – Der kenianische Gesamtkunstwerker KABEAUSHÉ lässt das UT Connewitz beben (2026)„Radikal, clever, komplex“ und „extravagantes Gesamtkunstwerk“ – das sind wiederkehrende Attribute, mit denen die Konzerte, die Musik und die überbordende Ästhetik des Künstlers KABEAUSHÉ gefeiert…
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PINGPONG. Czollek und Haruna-Oelker gehen auf die „Suche nach einer neuen Erinnerungskultur“ – und finden vor allem sich (2026)
Read more: PINGPONG. Czollek und Haruna-Oelker gehen auf die „Suche nach einer neuen Erinnerungskultur“ – und finden vor allem sich (2026)Auf Seite 146 heißt es dann Pingpong. Genauer: „Empowerment-Pingpong“. Der Begriff passt gut, denn das von Max Czollek und Hadija Haruna-Oelker gemeinsam verfasste Buch Alles…
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„SEELISCH KRANKES UNTERHOLZ“ (T. HARLAN) – Bericht von der Bildungsreise „Euthanasie und Holocaust im besetzten Polen“ (2025). Teil 2: Chelmno und der Weg dorthin
Read more: „SEELISCH KRANKES UNTERHOLZ“ (T. HARLAN) – Bericht von der Bildungsreise „Euthanasie und Holocaust im besetzten Polen“ (2025). Teil 2: Chelmno und der Weg dorthinDer merkwürdige Satz mit dem Unterholz stammt vom Schriftsteller Thomas Harlan (1929-2010). Als Sohn des berüchtigten NS-Regisseurs Veit Harlan (Jud Süß, 1940) wuchs er nicht…
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VON POSEN NACH KULMHOF: Bericht von der Bildungsreise „Euthanasie und Holocaust im besetzten Polen“ (2025) – Teil 1: Poznan, Fort VII, Lodz
Read more: VON POSEN NACH KULMHOF: Bericht von der Bildungsreise „Euthanasie und Holocaust im besetzten Polen“ (2025) – Teil 1: Poznan, Fort VII, LodzNicht selten findet historisch Einschneidendes an entlegenen und unscheinbaren Orten statt. Geschichte wird dort nicht in Echtzeit geschrieben, da erst im Nachhinein die Bedeutung dessen…
FELDER
Darktourism?





„Wir leben auf einem friedlichen Eiland des Unwissens inmitten schwarzer Meere der Unendlichkeit, und es ist uns nicht bestimmt, diese weit zu bereisen.“
– H.P. Lovecraft, Cthulhus Ruf
Reisen zu „dunklen Orten“, das sind Berichte von Erkundungen, allein oder gemeinsam mit Freunden oder mit Studiengruppen, zu Stätten der Vernichtung. Der Schwerpunkt liegt auf den Massenverbrechen des Nationalsozialismus („Euthanasie“ und Shoah).
Ist das „Darktourism“? Das heißt: das sensations- und affektgeleitete Aufsuchen von Schreckensorten in aller Welt. Das Gelingen einer Abgrenzung zum „Darktourism“ ist auch im Kontext seriöser Bildungsreisen keineswegs selbstverständlich. Nicht selten werden Stätten von Menschheitsverbrechen selbst von reflektierten Besucher*innen als „auratisch“, gar „magisch“ wahrgenommen. Wonach sucht man dort? Findet sich am „authentischen“ Ort – der tatsächlich immer ein historisch und kulturell überformter ist – wirklich der Zugang zu einer essentiellen Wahrheit? Dies sind einige der Fragen, die mich bei Reisen zu solchen Orten begleiten. Die Schattierungen von „Dunkelheit“ verändern sich mitunter im Zuge der Annäherung. Dies schließt immer die Selbstbeobachtung ein. Auch von der schreibe ich.
Die körperliche, sinnliche Ebene in der Auseinandersetzung mit „dunklen Orten“ ist ein wichtiger Bestandteil des Lernens: es macht eben doch einen Unterschied, ob man einen Ort abgeschritten hat, zu Fuß, Entfernungen, Ausdehnungen, Beschaffenheiten, auch Gerüche, physisch erfahren hat. Es macht natürlich einen Unterschied, mit wem man dies tut. All dies verändert die Vorstellungen über das, was von einem Ort gewusst werden kann. Und: Wissen ist eine notwendige Voraussetzung für diese Erfahrung. Wissen und seine Medien können sehr vielfältig sein. Aber: Sieht man wirklich nur, was man weiß?
Der verlockende „thrill“ in der Annäherung an Orte des Grauens, die Versessenheit in der Suche solcher Orte – diese Regungen können als solche erkannt werden. Sie können zu einem Teil des Nachdenkens über diese Orte und über die Möglichkeiten des Gedenkens werden.
Dem geläufigen Begriff „Erinnerungskultur“, auch wenn ich ihn hier mehrfach verwende, stehe ich eher skeptisch gegenüber: man sollte vielleicht besser von einer Gedenkkultur sprechen. Warum? Vor allem, um die schmerzhafte Erfahrung der tatsächlich Erinnernden (Überlebende, Opfer und ihre Nachkommen) nicht zu entwenden.

„Niemand, der im Kunstfeld arbeitet, geht mehr davon aus, dass seine oder ihre Arbeit unersetzbar oder auch nur halbwegs von Bedeutung ist.“
– Hito Steyerl, Duty Free Art
Der Sektor ‚Chaosmos‘ (Deleuze) versammelt Reaktionen und Irritationen. Wahrnehmungen von Kunst in vielfältigen Konstellationen. Gedanken zu Ausstellungen und Kulturveranstaltungen, zum Kino, zum irren Kunstmarkt. Eindrücke, Assoziationen, Rezensionen. Immer auch Vermessungsversuche der eigenen Borniertheit.




Die 4te wand. Projektraum für obsessive Kultur (Zwenkauer Straße 29, Leipzig) existiert seit 2013. Als ehemaliges Ladenlokal (Heißmangel, Molkereiverkauf), Werkstatt-Atelier und Schau-Fenster stellt sie ein niedrigschwelliges Raumangebot mit partizipativem Grundkonzept dar. Menschen, die Lust haben, etwas in die „Black Box“ hinter die Scheibe zu stellen, sind willkommen!
Die „4te wand“ zielt auf die Förderung von Demokratiebildung und Diversität im Stadtteil Connewitz. Ein wenig mehr Buntheit, Gestaltung und Kultur kann dieses leicht triste und allzu ernste Viertel vertragen, meine ich. „Fuck art – fight the police!“, klingt doch etwas eintönig…
Ein konzeptioneller Schwerpunkt der „4ten wand“ liegt auf dem Versuch der Sichtbarmachung und Würdigung künstlerischer Produktionen aus Randbereichen der Kultur: besonders herzlich eingeladen sind Arbeiten von Künstler*innen mit Beeinträchtigungen, Psychiatrieerfahrung und erschwerten Lebensverhältnissen.
Mitmachen? —- Kontakt: ridikulow@gmail.com
Outsider/art brut

Menschliche Krisenerfahrung und künstlerischer Ausdruck standen schon immer in einer produktiven Beziehung. Meist ist es ein Spannungsverhältnis. Eine systematische Würdigung der Äußerungsformen von Menschen in psychischen Ausnahmezuständen setzte erst relativ spät ein. Nicht selten waren es kunstaffine Psychiater*innen, die im 19. Jahrhundert Pionierarbeit leisteten und Künstler*innen-Patient*innen als solche „entdeckten“.
Flankiert von neuen Menschenbildern und Therapiepraxen der Psychiatrie und Strömungen der modernen Kunst veränderte sich die Wahrnehmung von Wahnsinn und Devianz. Der Blick auf das vermeintlich sinnentleerte „psychotische Fabulieren“ verstörter Patient*innen wurde neu justiert: „Wahngebilde“ wurden als Ausdrucksversuche erkannt, die auf irritierende Weise an existentielle Fragen rührten. Nicht selten löste dies den Neid professioneller Künstler*innen aus und führte zu vielfältigen Formen der Aneignung (und Enteignung).
Die so faszinierende wie überraschende, oft auch unheimliche Formensprache, vielfach als „ursprünglich“, „authentisch“, kompromisslos „roh“ (Art brut) und radikal verklärt, wurde ins Repertoir zeitgenössischer Kunstproduktion aufgenommen. Währenddessen blieben die neurodiversen Schöpfer*innen dieser absonderlichen Werke auf die Randzonen der Kultur verwiesen: ihre Marginalität machte eine Qualität ihrer Arbeiten aus, die nicht selten jahrzehnrelang im Verborgenen entstanden.
Längst ist das Label „Outsider art“ zum Gegenstand prestigeträchtiger Kunstmessen und kapitalschwerer Sammlungen geworden. So manches inklusive Kunstprojekt wandelte sich von seinen soziokulturellen Anfängen zur umsatzstarken Produzentengalerie. Neurodiversität verkauft sich gut.
Beiträge in diesem Feld sondieren die Gegenwart abseitiger Kultur, von Kunst im Abseits, die von Menschen mit Beeinträchtigungen, erschwerten Lebensverhältnissen und Grenzerfahrungen in den Raum gestellt wird. Es geht um Besuche in Ateliers für Künstler*innen mit Behinderungen, um seltsame Museen, hoffnungsvolle Projekte und das Fortbestehen „individueller Mythologien“ (Szeemann).

„Die produktivste Art, das Persönliche politisch zu verstehen, ist, das Persönliche als nicht persönlich anzusehen. Es ist für uns alle elend, wir selbst sein zu müssen (und mehr noch, gezwungen zu sein, uns selbst zu vermarkten). Kultur und Kulturanalyse hat ihre Bedeutung nicht zuletzt dadurch, dass sie uns vor uns selbst zu entkommen erlaubt.“
– Mark Fisher, Gespenster meines Lebens
Texte in diesem Feld drehen sich um öffentliche Wetterlagen und ihre ästhetischen und semantischen Erscheinungsformen. Beobachtungen, Versuche der Einschätzung und des Abbaus von Verwirrtheit.
Graffiti-Schlachten … Demos … urbane Stimmungsfelder …

*1976 in Gotha (Thüringen), Studium der Erziehungswissenschaften, Soziologie sowie Grafik & Malerei in Marburg/Lahn; seit 2003 in Leipzig, mit Kind(ern) und Kegel.
Tätig als Pädagoge, seit 2015 nebenberuflicher Referent für kulturelle Bildung (Vorträge, Moderation als gelegentliche Ausritte auf den Steckenpferden Erinnerungskultur, Film, Kunst und Psychiatrie), bildender Künstler (phasenweise), Betreiber der quirligen, von Erfolgsdruck gänzlich unabhängigen Kleinstgalerie „4te wand“ (seit 2013).
GEHEN+DENKEN ist mein bescheidener Versuch, dieser so seltsamen wie schönen Welt etwas Sinniges abzutrotzen. Ohne dabei den Humor zu verlieren. Texte, vor allem Texte mit Bildern, sortieren doch so einiges, was sonst nur als zerebraler Wust in uns und zwischen uns schwingt, oder?

